QUALITÄT

 

Standpunkte und Meinungen zum Thema Qualität und Qualitätsentwicklung in der Familienbildung:

Schiersmann, Christiane; Thiel, Heinz-Ulrich; Pfizenmaier, Eva:

"Seit einigen Jahren ist eine sehr lebhafte bildungspolitische sowie wissenschaftliche Diskussion um die Qualität im Bildungs- und Sozialbereich zu beobachten. (…) Der Qualitätsentwicklung (wird) zukünftig eine zentrale Rolle sowohl für die Bestandssicherung als auch die Weiterentwicklung dieser Einrichtungen zukommen. (…) Es lassen sich insbesondere folgende Begründungen für die Relevanz der Qualitätsdebatte anführen:

Allerdings wäre es falsch, so zu tun, als hätten sich Bildungsanbieter bislang nicht um die Qualität ihrer (Dienstleistungs)Produkte gekümmert. Die Bemühungen um Qualität bezogen sich bislang überwiegend auf die Beachtung pädagogischer Kriterien und die Durchführung von Lernkontrollen im Sinne einer Ergebnissicherung. Die neuen Qualitätskonzepte zeichnen sich dadurch aus, dass sie zum einen nicht nur – und nicht einmal vorrangig – die pädagogischen Prozesse im engeren Sinne in den Blick nehmen, sondern die Institution insgesamt, die die pädagogischen Angebote organisiert. Die aktuelle Debatte rückt organisationsbezogene und prozessorientierte Kriterien im Rahmen einer Gesamtsicht von Qualität in den Vordergrund. Diese umfassende Gestaltung wird mit dem Begriff Qualitätsmanagement gefasst. Qualitätsmanagement impliziert ein geplantes, systematisches, umfassendes und auf Kontinuität angelegtes Vorgehen bei der Qualitätsentwicklung."

(Schiersmann, Christiane; Thiel, Heinz-Ulrich; Pfizenmaier, Eva, 2001, Organisationsbezogenes Qualitätsmanagement. EFQM-orientierte Analyse und Qualitätsentwicklungs-Projekte am Beispiel der Familienbildung. S. 9f.

Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe:

"Qualitätsentwicklung soll dazu dienen, im Interesse von Kindern, Jugendlichen und Familien die Intensität und Reichweite ihrer Bildungsarbeit zu erhöhen. Dabei ist hervorzuheben, dass bei der Entwicklung von Qualitätsdimensionen und dementsprechend erforderlichen institutionellen und fachlichen Veränderungen solche Kriterien und Vorgehensweisen entwickelt werden, die pädagogischen Prozessen entsprechen. In dem Bewusstsein, dass sächliche Mittel und pädagogische Techniken notwendige, aber nicht hinreichende Bedingungen guter Pädagogik sind, gelten als wichtige Kriterien des Prozesses der Qualitätssicherung pädagogischer Leistungen

(…) Insofern lassen sich auch die Wege genauer beschreiben, die zur Erreichung bestimmter Bildungsziele eingeschlagen werden müssen. Dazu zählt die Herstellung geeigneter, äußerer Bedingungen wie Räumlichkeiten und Lernumgebung ebenso wie eine teilnehmer/-innen-orientierte Lernstruktur, konkreter Lebensweltbezug und fachlich personelle Voraussetzungen."

(Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe, 1997, Wege der Familienbildung. S. 23f.)

Arbeitsgemeinschaft Hessischer Elternschulen und Familienbildungsstätten:

"Eine Qualitätsdefinition im pädagogischen Bereich bewegt sich im Spannungsdreieck von Teilnehmer/innen, Pädagog/innen und Einrichtungen. Für die Qualität sind alle drei Faktoren von Bedeutung.
In ihrem Endergebnis bezieht sich pädagogische Arbeit auf die Entwicklung von Beziehungsqualitäten innerhalb der Familie und die Förderung ihrer einzelnen Mitglieder. Das Resultat pädagogischer Angebote ist der Lernprozess der Teilnehmer/-innen, der auf einem gelungenen Kommunikationsprozess zwischen Teilnehmer/-innen und Pädagog/-innen basiert (…) Da Bedürfnisse und Wünsche von Zielgruppen einem permanenten dynamischen Wandel unterliegen und gleichzeitig von Gruppe zu Gruppe variieren, ist auch die Definition dessen, was Qualität in diesem Bereich bedeutet, nicht statisch. Festlegbar sind allerdings Kriterien für die Qualität des Personals und die organisatorischen Voraussetzungen für pädagogisches Handeln. Da die Zielgruppen in den Einrichtungen jedoch variieren und die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Werten auch vom Gesetzgeber festgelegt ist, benötigen Familienbildungsstätten Rahmenbedingungen, die sie in die Lage versetzen, unterschiedliche Wertorientierungen sowie vielfältige inhaltliche und methodische Vorgehensweisen zuzulassen."

(AHE, Arbeitsgemeinschaft Hessischer Elternschulen und Familienbildungsstätten (Hg.), 2000, Qualitätsentwicklung in hessischen Familienbildungsstätten. S. 3)

Landesinstitut für Schule und Weiterbildung NRW:

"Traditionell und aufgrund unserer beruflichen Ausbildung und Sozialisation sind wir als Weiterbildnerinnen und Weiterbildner gewohnt, pädagogische und konzeptionelle Fragen zu diskutieren, und darüber haben wir die Rahmenbedingungen (vom Anmeldeverfahren über die Räumlichkeiten bis zur Abreise der Teilnehmenden) und die institutionellen Auswirkungen zu wenig beachtet, manchmal als unwichtig und nicht zur eigentlichen Arbeit gehörend bei Seite geschoben.(...)

Das EFQM-Modell bezieht sich, wie andere Qualitätssicherungsverfahren auch, auf die Ebene der Organisation und die in ihr praktizierten Verfahren. Die Ebene der pädagogischen Arbeit selbst, die fachliche pädagogische Konzeption, wird inhaltlich nicht angefragt. Dadurch bleibt der Qualitätsbegriff formal und wird keiner fachlichen Diskussion unterzogen. Jede Einrichtung entscheidet selbst, welcher Art ihre konzeptionelle Grundlage ist. Das ist geradezu der 'Trick', der es möglich macht, ein und dasselbe Qualitätssicherungsmodell auf ganz verschiedene Institutionen und Branchen anzuwenden. (...)
Ein auf die Bildungseinrichtung bezogenes Qualitätsentwicklungs- und sicherungsverfahren wie das EFQM-Modell bleibt also stets ein Stück formal und an den organisatorischen Rahmenbedingungen der Bildungsarbeit orientiert. Qualitätssicherung bedarf deshalb der Ergänzung um eine fachlich-pädagogische Diskussion (...) im Sinne einer Selbstkontrolle. Diese fachlich-pädagogische Auseinandersetzung erfordert eine Systematisierung und einen Ort, an dem eine solche Diskussion der Einrichtungen untereinander geführt werden kann. Das EFQM-Modell hat den Vorteil, dass nicht allein ökonomische Ziele und Angemessenheit der organistorischen Abläufe als Qualitätsmaßstab zum Tragen kommen, sondern dass die Möglichkeit besteht, die Durchführung von und die Beteiligung an fachlich-pädagogischen Auseinandersetzungen als Bestandteil der Qualitätsentwicklung und -sicherung einzubeziehen."

(Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, 1999, Epping, Rudolf; Koerner, Sabina, Qualitätsentwicklung in der Familienbildung. S. 77-79)

Landesinstitut für Schule und Weiterbildung NRW:

"Die Leitidee des Projektes (Anm.: Das Gold in den Köpfen. Ein Projekt der AWO zur Selbstevaluation und Qualitätsentwicklung in der Weiterbildung) ist die Sicherung einer pluralen und qualitativen Bildungsangebotsstruktur in NRW unter Beteiligung der Familien- und Weiterbildungseinrichtungen der Arbeiterwohlfahrt. (…)
Spezielles Ziel des Projektes ist es, in der Marktwirtschaft bewährte Problemlösungs- und Qualifizierungsverfahren unter den Bedingungen der Weiterbildung, vor allem der Familienbildung, anzuwenden. Vor allem musste das spezifische Profil der AWO-Bildungsarbeit, das sich durch besondere Verpflichtungen gegenüber gesellschaftlich Benachteiligten bestimmt, berücksichtigt werden. Dies beinhaltet die Würdigung des Selbstverständnisses der Bildungsarbeit im Kontext der AWO ebenso wie die Auseinandersetzung mit den methodisch-didaktischen und strukturellen Bedingungen der Bildungsarbeit. Das zu entwickelnde Qualifzierungskonzept muss sich demnach an diesen Besonderheiten des pädagogischen Settings strukturell orientieren, die Methoden darauf abstimmen und die Zielfindung entsprechend differenzieren. Bei der Bestandsanalyse wie bei der Zielbestimmung des Projektes musste berücksichtigt werden, dass Bildungsvorgänge Produkte eigener Art sind, die sich von industriellen Produkten grundsätzlich unterscheiden."

(Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hg.), Das Gold in den Köpfen... Ein Projekt der AWO zur Selbstevaluation und Qualitätsentwicklung in der Weiterbildung. 1997, S. 24)

In den letzen Jahren wurden neben dem Modellprojekt von Christane Schiersmann, Heinz-Ulrich Thiel und Eva Pfizenmaier, an dem sich ca. 50 Familienbildungs-Einrichtungen in drei Bundesländern beteiligten, in mehreren Bundesländern Qualitätsentwicklungsverfahren erprobt. Sie basieren z.T. auf EFQM-orientierten Modellen und Arbeiten mit Selbstevaluation. Sie benötigen keine externe Zertifizierung.
Verbände wie beispielsweise der AWO-Bundesverband e.V. und die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten haben darüber hinaus eigene Qualitäts-Musterhandbücher für die Familienbildung entwickelt.

Zum Weiterlesen:
Familienbildung als Angebot der Jugendhilfe: Qualitätsentwicklung in der Familienbildung, BMFSFJ
QS 29. Zielgeführte Evaluation von Programmen - ein Leitfaden. (pdf) BMFSFJ
Qualitätsmanagement in hessischen Familienbildungsstätten (pdf)
Qualitätsmanagement der Familienbildung in der Eltern-Kind-Gruppenarbeit (pdf), BAG Katholischer Familienbildungsstätten
Projekt Qualitätsentwickler/in für Einrichtungen der Erwachsenenbildung (pdf)

Informationen zu Qualitätsmanagementverfahren:
DIN EN ISO 9000ff – Certqua für Bildungseinrichtungen
EFQM-Modell
Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung

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