FORTBILDUNG UND QUALIFIZIERUNG

Der Begriff „Familienbildner/in“ wird zwar als Bezeichnung einer praktizierten beruflichen Tätigkeit verwendet. Als geschützte Berufsbezeichnung, als Abschluss eines Studiums oder einer staatlich anerkannten Berufsausbildung existiert er nicht.

Es gibt in Deutschland keinen Lehrstuhl für Familienbildung. Familienbildung ist teilweise als Schwerpunkt anderen Hauptstudienfächern zugeordnet, wie beispielsweise

Darüber hinaus bieten die Ausbildungsstätten mit erweiterten Studiengängen der Erzieher/innenausbildung - wie die FH Potsdam, die Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin und weitere - Lehrgänge und Fortbildungen zur Qualifizierung von Familienbildner/innen an.

"Zwar ist das Qualifikationsniveau der Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter auf allen Arbeitsebenen in den letzten Jahren gestiegen, jedoch decken in der Regel die Praxisqualifikationen der Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter nicht sowohl das gesamte Spektrum der fachlichen als auch der (erwachsenen-)pädagogischen Anforderungen an die Tätigkeit im Bereich der Familienbildung gleichermaßen ab.

Fachkräfte unterschiedlicher Berufsgruppen, Ausbildungsgänge und -niveaus arbeiten in der Familienbildung. Zumeist sind sie auf Tätigkeitsprofile in anderen Arbeitsfeldern hin ausgebildet. Sie bringen eine Vielfalt unterschiedlicher fachlicher Kompetenzen in die Praxis ein; ihren Aufgaben und Funktionen im Bereich der Familienbildung entsprechend ist jedoch meist eine zusätzliche Qualifizierung für die jeweilige spezielle Tätigkeit erforderlich. So sind beispielsweise Leiterinnen/Leiter der generationenübergreifenden Eltern-Kind-Gruppen i.d.R. als Erzieherinnen/Erzieher für die Arbeit mit Kindern ausgebildet, kaum jedoch für die - gleichzeitige - Arbeit mit den Eltern."

(BMFSFJ, 2005, Familienbildung als Angebot der Jugendhilfe. Kap. 9 Fortbildung)

Hauptberufliche in der Familienbildung haben zumeist Studiengänge absolviert wie beispielsweise

Zusätzliche Qualifizierungen sind für die Mitarbeiter/innen in der Familienbildung erforderlich, die fachpraktische Kurse abieten und leiten wie etwa Kochen, Haushaltsführung, Gymnastik und Turnen, Handarbeiten oder Werken.

"Viele Mitarbeiter im Bereich der Familienbildung sind Honorarkräfte, die nebenberuflich oder während ihrer Familienphase tätig sind. Sie haben überwiegend keine pädagogische Ausbildung und erhalten nur selten die Möglichkeit, an Fortbildungsveranstaltungen (z.B. über Erwachsenenbildung oder Arbeit mit Kleinkindern) teilzunehmen oder gar eine Supervision zu erfahren. Aber auch Erzieherinnen und andere Fachkräfte beklagen immer wieder, dass sie für Familienbildung nicht ausgebildet wurden. Auch mangele es an Fortbildungs- und Supervisionsangeboten in diesem Bereich. Und in der Familienselbsthilfe sind in der Regel nur Laien aktiv."

(Martin R. Textor, 2001, Familienbildung als Aufgabe der Jugendhilfe.)

Ein Angebot an Seminaren zur Grundlagenqualifizierung im Handlungsfeld Familienbildung wäre eminent wichtig, ist aber relativ schmal. Teilweise werden Leiter/innen der praktischen Kurse von den Einrichtungsträgern intern geschult oder zur Fortbildungsteilnahme verpflichtet.

Von verschiedensten Trägern, Einrichtungen und Verbänden werden "Ausbildungen" im Sinne von Zusatzqualifizierungen angeboten. Diese sollen häufig gezielt zur Leitung von Lern- und Gesprächsgruppen befähigen und berechtigen, nach speziellen, teilweise rechtlich geschützten Konzepten/Programmen für die Eltern- und Familienbildung, zu arbeiten.
Beispiele für geschützte Programme, deren Nutzung und Einsatz eine zertifizierte Qualifizierung voraussetzt:

Beispiel für eine Lizenzvereinbarung zur Durchführung eines geschützten Familienbildungsprogramms

Weitere Zusatzqualifizierungen werden von den großen Trägerverbänden der Familienbildungseinrichtungen, insbesondere den beiden großen Kirchen und den Wohlfahrtsverbänden, aber auch von freien Bildungsinstituten (z.B. IFFE e.V.) offen ausgeschrieben. In zunehmendem Maße entwickeln auch die örtlichen und regionalen Volkshochschulen Angebote für Familien und für Kursleiter/innen in der Familienbildung.

Beispiele einiger Zusatzqualifizierungen ohne Lizenzvereinbarung:

"Fortbildungsangebote, die die aktuell erforderlichen Veränderungsprozesse unterstützen, sollten die persönliche Ebene der Werte und Haltungen, die fachliche Ebene der neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse und des methodischen Repertoires zu ihrer Umsetzung in die Praxis und die strukturelle Ebene des Umgangs mit Institutionen, Netzwerken und Kooperationspartnern berücksichtigen, wenn sie nachhaltige Wirkung entfalten sollen."

(BMFSFJ, 2005, Familienbildung als Angebot der Jugendhilfe. Kap. 9 Fortbildung)

Die Hauptthemenfelder für Kurzzeitfortbildungen in der Familienbildung:

"Weitere aktuell wichtige Themen für die Fortbildung auf der fachlichen Ebene sind:

(BMFSFJ, 2005, Familienbildung als Angebot der Jugendhilfe. Kap. 9 Fortbildung)

Vielfältige themen-, methoden- oder zielgruppenspezifische Fortbildungen und Qualifizierungen unterschiedlichen Umfangs und unterschiedlicher Dauer für Mitarbeiter/innen der Familienbildung können aktuell über die Träger und Einrichtungen ermittelt werden, die in den Bundesarbeitsgemeinschaften der Familienbildungsträger- und -einrichtungen organisiert sind:

Darüber hinaus legen die bundesweiten Bildungswerke der Wohlfahrtsverbände und weitere Organisationen jährlich interessante Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote für Familienbildner/innen vor:

Weiterbildungsdatenbanken bieten eine gute Recherchemöglichkeit zu Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sowohl bundesweit als auch regional:

Die Weiterbildungsdatenbank des Referats Weiterbildung und Entwicklung der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin bietet eine Zusammenstellung von Anbietern der beruflichen Fortbildung/Weiterbildung/Ausbildung im Bereich Sozialarbeit und Sozialpädagogik.

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