PRAXISBEISPIELE

Die Beispiele aus der Praxis veranschaulichen Ansätze und Überlegungen zur konzeptionellen Weiterentwicklung von Familienbildung an der Schnittstelle von Jugendhilfe, Erwachsenenbildung und Gesundheitsförderung.
Die Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Sie Ihr Projekt auf dieser Seite vorstellen möchten, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

 

Familienbildung und Kindergarten/Kindertagesstätte

Kindertagesstätten als Orte für Familienbildung haben einen besonderen Stellenwert:

Daher werden vielerorts Angebote zur Unterstützung der Erziehungskompetenz und Ideen, Kitas zu Orten für Familie zu entwickeln, erprobt und dokumentiert:
Die Early Excellence Centres in England haben für die Diskussion und Umsetzung hierzulande vielfältige Anregungen und Impulse gegeben:

In Großbritannien wird seit 1997 sehr erfolgreich frühkindliche Förderung mit Angeboten der Unterstützung und Entlastung von Familien verknüpft. Die von der britischen Regierung besonders geförderten Early Excellence Centres - inzwischen integriert und erweitert durch Sure Start Programme (2000) und Children Centre Programme (2004) - verbinden ein qualitativ hochrangiges Bildungsangebot für Kinder mit vielfältiger Unterstützung für Familien.
Hier wird Kinderbetreuung mit Beratungsangeboten für Eltern, Unterstützungsangeboten für junge Familien und einem Gesundheitsdienst für alle Fragen zu Schwangerschaft und Kind verbunden. Innovative Konzepte zur frühkindlichen Erziehung werden mit Fortbildungsmöglichkeiten für Erwachsene kombiniert. Diese Angebote zielen darauf ab, Mütter und Väter in ihrem unmittelbaren Lebenszusammenhang zu stärken und ihnen den Erwerb zusätzlicher Kompetenzen und Qualifikationen zu ermöglichen.
Kinder, Eltern und Mitarbeiter/innen entwickeln sich hier gemeinsam weiter und lernen von- und miteinander.
Die Early Excellence Centres haben auch in Deutschland Modellcharakter. Das Berliner Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße hat gemeinsam mit dem Träger "Pestalozzi-Fröbel-Haus" ein Projekt initiiert, das sich an den englischen Zentren orientiert und den Ansatz für Berlin adaptiert. Mittlerweile wird der Ansatz "Integrative Familienarbeit in Kindertagesstätten" in weiteren Einrichtungen in lebendige Praxis umgesetzt.
Verein Early Excellence Zentrum für Kinder und ihre Familien e.V.

In Modellprojekten verschiedener Bundesländer und Kommunen werden und wurden Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten erprobt:

Im September 2001 startete in Sachsen das Landesmodellprojekt Familienbildung in Kooperation mit Kindertageseinrichtungen.
Die Familie ist der zentrale Lebens- und Lernraum von Kindern und die elterliche Erziehungskompetenz ist entscheidend für die Entwicklung von Kindern. Vor diesem Hintergrund nutzt das Landesmodellprojekt vorhandene Strukturen der Familienbildung und der Kindertageseinrichtungen, um möglichst viele Familien in Sachsen mit erziehungsunterstützenden und präventiven Angeboten zu erreichen. Hierfür sollen landesweit Kooperationen zwischen Trägern der Familienbildung und Kitas aufgebaut werden.

Das Modellprojekt Primäre Prävention durch Familienbildung, -förderung und -beratung im Land Brandenburg – gefördert durch das Landesjugendamt Brandenburg – war ein Modellprojekt zur Vernetzung und Implementierung von Konzepten der Familienbildung, -förderung und -beratung für Familien mit Kindern vom Säuglings- bis zum Hortalter und zur Qualifizierung von Fachkräften im Land Brandenburg.
In drei Landkreisen wurden in Kooperation mit den örtlichen Jugendämtern, Beratungsstellen, Kindertagesstätten und freien Trägern Konzepte zur "Allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie" (§16 KJHG) entwickelt, erprobt und ausgewertet.
Zum Weiterlesen:
Elternarbeit und Familienbildung in Kindertagesstätten, Gabi Koch

Ziel des Projektes in Baden-Württemberg ist die Stärkung der Erziehungskraft der Familie durch und über den Kindergarten. Im Mittelpunkt stehen Erzieher/innen und Familien, die bereit sind, Formen der Elternintegration auf dem Weg zur Erziehungspartnerschaft gemeinsam neu und kreativ zu gestalten und zum Wohle des Kindes zu kooperieren.

Das Land Sachsen-Anhalt förderte die Erarbeitung einer Handreichung für Kindertagesstätten zum Thema Eltern- und Familienbildung. Neben einer Internetrecherche haben Eltern, Fachkräfte aus Kindertagesstätten, Jugendämter und anderen Institutionen aus dem Umfeld von sechs Kindertagesstätten in verschiedenen Sozialräumen der Stadt Halle in Workshops, Gesprächen oder Befragungen ihre Erfahrungen und Anregungen in diese Handreichung eingebracht.

Weitere Projekte und Informationen finden Sie in der Datenbank und den Recherchen des Deutschen Jugendinstituts.
Datenbank ProKita familienunterstützende Angebote
Recherche Häuser für Kinder und Familien
Projekt Eltern-Kind-Zentren

Weitere Informationen zu Eltern-Kind-Zentren, Mehrgenerationenhäusern und Familienzentren finden Sie hier

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Familien- und Erziehungsberatungsstellen

Familien- und Erziehungsberatungsstellen arbeiten eng mit Kindertagesstätten zusammen. Rechtzeitige, leicht zugängliche Angebote können entstehende Familien- und Erziehungskonflikte im Vorfeld entschärfen. Sprechstunden der Beratungsstelle in der Kita, Elternabende und Gesprächskreise zu Erziehungsfragen sowie Beratung der Eltern stärkt deren Erziehungskompetenz und erleichtert ggf. den Zugang zu weiterführenden Hilfsangeboten.
AWO-ERIK (Erziehung, Rat und Information im Kindergarten)
Zugehende Beratung in Kindertageseinrichtungen (pdf)

Zum Weiterlesen:
Familienbildnerische Angebote von Erziehungsberatungsstellen, Hermann Liebenow

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Familienbildung und Gesundheit

Gesundheitsbildung und Gesundheitsförderung sind die Wurzeln der Familienbildung und spielen bis heute eine – inzwischen veränderte – bedeutende Rolle:

"Familienbildung hat in Deutschland eine lange Tradition: Anfänge reichen zurück in das 19. Jahrhundert; seit den 20er Jahren unseres Jahrhunderts (des 20. Jh.) wurde mit der Gründung von Mütterschulen der Schritt der Institutionalisierung von Familienbildung begonnen. Ausgangspunkt der damaligen Begründung war eine hohe Kinder- und Müttersterblichkeit, die (...) dazu anregte, junge Mütter im Blick auf die körperliche, geistige und seelische Entwicklung der Kinder (...) zu begleiten und zu unterstützen."

(BMFSFJ Schriftenreihe Band 120, 1996, Familienbildung als Angebot der Jugendhilfe. S. 113)

Die Bandbreite der Maßnahmen reicht von Familienbildungsveranstaltungen über Ansätze der Gesundheitsförderung unter Einbeziehung der Eltern z.B. im Setting Kita bis hin zu Kampagnen, die über Angebote und Leistungen des Gesundheitssystems informieren und zur Nutzung motivieren.

Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e. V. unterstützt Eltern mit der Elternschule für eine gesunde Familie. Themen der Veranstaltungen rund um die Gesundheit in der Familie sind z.B. gesundes Ernährungs- und Bewegungsverhalten, die seelisch-emotionale Entwicklung der Kinder, Medienkonsum.

Fit in Form für Familien - die Zahl der übergewichtigen Kinder in Deutschland wächst. Zur Prävention von Übergewicht im Kindesalter hat deshalb die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten ein neues Konzept zur Weiterbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren entwickelt.

Femmes TISCHE ist ein Projekt zur Gesundheitsförderung, Suchtprävention und Familienbildung aus der Schweiz, das sich vor allem an Frauen richtet. Ähnlich wie bei einer Tupper-Ware-Party finden sich Erziehende im privaten Rahmen zusammen, um sich über Fragen von Gesundheit, Erziehung und Rollenverständnis auszutauschen. Moderiert werden die Treffen von Laien-Moderatorinnen - engagierten Müttern - aus dem gleichen Wohnort, die von regionalen Projektträgern gesucht, ausgebildet und begleitet werden. Der private Rahmen erreicht Erziehende, insbesondere auch Mütter mit Migrationshintergrund, die öffentliche Veranstaltungen, Seminare oder Beratungsangebote nur wenig wahrnehmen.
www.femmestische.ch
www.famtische.de

Kindertageseinrichtungen und Kindergärten sind gut geeignete Orte, um Familien frühzeitig mit gesundheitsfördernden Angeboten anzusprechen und zu erreichen, z.B.:
Lott Jonn, Ein Projekt zur Bewegungsförderung in Kindertageseinrichtungen

Den Förderpreis EMMI - Eltern machen mit - erhalten Kitas in Brandenburg, die unter Einbeziehung der Eltern in besonderer Weise die Gesundheitsförderung in ihren Einrichtungen verankert haben.

Mit dem Projekt Ich geh' zur U! Und Du? hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BzgA eine Aktion zur Erhöhung der Teilnahme an den Früherkennungsuntersuchungen im Kindesalter gestartet. Ihr Ziel ist die Sensibilisierung der Eltern für den Nutzen von Präventionsmaßnahmen und die Motivation zu eigenverantwortlichem, gesundheitsförderndem Verhalten.

Dr. Schnupper klärt auf - Kinder sollen gesund bleiben. Das ist das Ziel der bundesweiten Informations-Kampagne von Arbeiterwohlfahrt (AWO), BKK Bundesverband und dem Deutschen Forum für Prävention und Gesundheit. Eltern sollen über die weiterhin kostenlosen Präventionsleistungen aufgeklärt und den Kindern soll die Notwendigkeit von Arztbesuchen nahe gebracht werden. Mit einem Plakat, einem Faltblatt in sieben Sprachen und einem ebenfalls mehrsprachigen pfiffigen Bilderbuch mit Tiergeschichten sowie einer bundesweiten Aktionstour sollen Erzieher/innen, Eltern und natürlich die Kinder über das wichtige Thema der "Gesundheitsvorsorge" informiert werden.

Das Internetportal der AOK Starke Eltern beschäftigt sich mit allgemeinen Erziehungsfragen und dem Vermeiden von Suchtgefahren bei Kindern und Jugendlichen.

Bewegte Familie - die Techniker Krankenkasse stellt ein Kursmanual mit praktischen Bewegungsanregungen für die Familie zur Verfügung.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hat Gesundheit Berlin e.V. mit der Erstellung einer bundesweiten Datenbank über Projekte und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten beauftragt. Dort werden Projekte und Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention erfasst, die sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien in schwierigen und belastenden Lebenssituationen wenden.
Praxisdatenbank zur Gesundheitsförderung

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Familienbildung und Schule

Schulen nehmen in zunehmenden Maße Kooperationen mit Einrichtungen der Familienbildung auf. Durch thematische Elternabende bzw. -seminare (pdf), Elternstammtische oder Unterstützung der Partizipation von Eltern können prinzipiell alle Eltern erreicht werden. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus wird gestärkt.

Den Übergang von Kita zur Schule (pdf) beispielsweise begleitet ein Projekt des AWO-Bildungswerkes Düsseldorf.

Elternbildung in der Schule - Mit einem Kooperationsprojekt in Essen wird Elternbildung in die Schule geholt, um Erziehungskompetenzen zu stärken und die Zusammenarbeit von Eltern und Schule zu fördern.

Zum Weiterlesen:
BAG Katholische Familienbildungsstätten: Familienbildung trifft Schule

Jugendliche werden als Zielgruppe von Familienbildung direkt angesprochen, beispielsweise von Projekten, die sich mit Kommunikation, Partnerschaft und Eltern-werden beschäftigen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch Ausbildungen zum Babysitter (pdf), die auch generationsübergreifend angeboten werden.
Elternschaft lernen
Real Baby Care
Komm auf Tour

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Familienbildung und Betriebe

Innovative Konzepte in der Familienbildung orientieren sich – neben den "traditionellen" und bewährten Ansätzen – an den unterschiedlichen Lebenswelten von Familien, um weitere Zielgruppen anzusprechen. Mit Familienbildungsangeboten in Betriebe zu gehen,

"ist eine logische Konsequenz auf der Suche nach neuen, innovativen Ansätzen, um die bis jetzt wenig erreichten Zielgruppen der Elternbildung anzusprechen: Väter, berufstätige Mütter und Migrant/-innen."

(Wiederkehr, Kathie, 2000, Projekt Clip – Elternbildung als Teil der betrieblichen Weiterbildung. In: Schweizerische Zeitschrift für Elternbildung 3/00 S. 10)

Der Schweizerische Bund für Elternbildung (SBE) entwickelte das Projekt Clip – Elternbildung als Teil der betrieblichen Weiterbildung. Obwohl einige Kurse in Betrieben erfolgreich stattfanden, wurde das Projekt gestoppt, da die personellen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen des SBE nicht ausreichten.

Einen anderen Weg schlägt die BAG der Katholischen Familienbildungsstätten mit dem Elterngutschein ein. Unternehmen schenken ihren (werdenden) Eltern einen Gutschein für Familienbildungsveranstaltungen, der in den katholischen Familienbildungsstätten eingelöst werden kann.

Im Projekt Betrieb und Familie werden Weiterbildungsangebote in Kooperation von Betrieben mit Familienbildung organisiert.

In Sachsen-Anhalt bieten Träger der Familienbildung mobile Angebote für Unternehmen an.
Familienbildung im Unternehmen

Im Dezember 2004 fand in Karlsruhe das Fachgespräch – Doppelter Gewinn: Bildungsangebote im Betrieb für Beschäftigte mit Familien – statt. Veranstalter war das Netzwerk für örtliche und regionale Familienpolitik des Instituts für Entwicklungsplanung und Strukturforschung. Das Fachgespräch befasste sich mit dem Thema Kooperation von Familienbildung und Betrieben.

Zum Weiterlesen:
Betrieb und Familie, BMFSFJ, 2005, Kapitel 5.2.3.
Betrieb und Familie (pdf), NRW

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Zielgruppenspezifische Familienbildung

Ein Anliegen von Familienbildung ist es, Angebote für alle Familien bereitzuhalten. In der Praxis zeigt sich, dass bestimmte Zielgruppen nur schwer einen Zugang zu den Bildungsangeboten finden. In diesem Abschnitt werden Projekte und Anregungen vorgestellt, die sich an Zielgruppen richten, die nicht oder wenig durch "traditionelle" Angebote erreicht werden.

Väter
Erziehungs- und Familienarbeit ist nach wie vor überwiegend "Frauensache". So sind Väter auch in den Angeboten der Familienbildung unterrepräsentiert. Traditionelle Vorstellungen und Bilder zur Geschlechterrolle wirken fort. Neben einer gesellschaftlichen Diskussion und der Schaffung besserer Rahmenbedingungen für eine familienorientierte Lebensplanung für Männer und Frauen braucht es Konzepte und Angebote, die die spezifischen Interessen und Bedürfnisse von Männern stärker berücksichtigen:
Familienbildung für Väter
Väterarbeit in NRW, MGFFI (pdf)
Väter e.V., Hamburg
Männer im Aufwind - Aktive Väter, Torgelow
Vater und Beruf
Engagierte Väter – Optimierung von Konzepten zur Väterbildung mit Migranten
Anforderungen an eine moderne Integrationspolitik

Zum Weiterlesen:
Familienbildung - eine Chance für Männer (pdf)
Vortrag: Ganz (der) Vater? - Zukunftsweisende Konzepte für Väter aus der Praxis (ppt)

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Familien mit Kindern mit chronischen Krankheiten und Behinderungen
Im Zusammenleben einer Familie mit einem Kind mit Behinderung oder chronischer Erkrankung kommen besondere Aufgaben und Themen hinzu, die zu Fragen und einem besonderen Informationsbedarf führen. Angebote der Familienbildung und Selbsthilfe können für die betroffenen Familien Information, Entlastung, Austausch und Unterstützung bieten.

Das Kindernetzwerk e.V. bietet Informationen und Adressen, z.B. von Selbsthilfegruppen für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen, Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen.

Im Rahmen der Frühförderung stellen die Beratung und Begleitung der Eltern wichtige Bestandteile des Angebotes dar.
Weitere Informationen:
Rahmenkonzept Frühförderung (pdf), LAG Frühförderstellen Hessen

Das Lebenshilfe Bildungswerk, NRW, ist offen für alle Menschen – ob mit oder ohne Behinderung.

Bewegung im Dialog e.V. bietet Familienbildungsangebote insbesondere für Eltern mit Kindern mit Behinderungen im Zentrum für Systemische Bewegungstherapie und Kommunikation e.V. in Tübingen an.

Das Präventionsprogramm für Expansives Problemverhalten - PEP - richtet sich schwerpunktmäßig an Eltern und Erzieherinnen von Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren, die frühe Zeichen ausgeprägten expansiven Verhaltens aufweisen, ohne dass die Kriterien einer klinischen Diagnose erfüllt sein müssen. PEP schließt damit eine Lücke zwischen Selbsthilfe und Therapie.

Die Rheinischen Kliniken Essen bieten ein Trainingsprogramm speziell für Eltern von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) an.

Begleitung trauernder Mütter, Väter und Geschwister in Einzelgesprächen, begleiteten Trauergruppen, Seminartagen und Wochenendseminaren bietet der Verein Verwaiste Eltern.

Zum Weiterlesen:
Familienbildung als Angebot der Jugendhilfe, Kap. 5.3.3.-4, BMFSFJ

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Familien mit Migrationshintergrund
Familien mit Migrationshintergrund stehen oftmals vor besonderen Aufgaben. Sie sollen durch interkulturelle Begegnung, Zusammenarbeit mit Migrant/innenverbänden und zielgruppenspezifische Anpassungen z.B. von Elternkursen gezielt angesprochen und erreicht werden.
Internationales Familienzentrum
Elternkurs für türkische Mütter
AWO Internationaler Familientreff

Aus Israel bzw. den Niederlanden kommen zwei Frühförderprogramme, die gezielt Eltern/Mütter mit Migrationshintergrund befähigen, die Entwicklung ihrer Kinder zu unterstützen. Opstapje - Schritt für Schritt wendet sich an Familien mit Kindern von achtzehn Monaten bis drei Jahren, HIPPY an Familien mit vier- und fünfjährigen Kindern. HIPPY steht für Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters und bedeutet frei übersetzt Hausbesuchsprogramm für Eltern mit Vorschulkindern.

Das Rucksack Programm kommt ebenfalls aus den Niederlanden. Sein Schwerpunkt liegt in der Sprachförderung. Rucksack bezieht die Muttersprache neben der Zweitsprache in die Förderung mit ein und arbeitet mit Stadtteilmüttern. Das sind qualifizierte Mütter und Großmütter, die durch aufsuchende Beratung ihr Wissen über Erziehungsinhalte an Mütter in der Nachbarschaft weitergeben. Sie arbeiten als entlohnte Stadtteilmütter in ihrem Kiez, bieten für andere Mütter Unterstützung und vermitteln kompetentes Erziehungsverhalten und Informationen zu familienunterstützenden Angeboten.

Zum Weiterlesen:
Gegenüberstellung der Förderprogramme für Kinder aus sozial benachteiligten und/oder Migrantenfamilien Opstapje / HIPPY und Rucksack / Griffbereit (doc)

DELFIN - Deutsch und Erziehung Lernen - Frühkindliche Integration für alle Nationen richtet sich an Mütter/Eltern und Kinder - vorrangig mit Migrationshintergrund - ein Jahr vor Kitaeintritt.

PAT - Mit Eltern lernen ist ein internationales Programm zur Elternbildung und Unterstützung von Familien von der Schwangerschaft bis zum 3. Lebensjahr des Kindes.

VIP-School - Visiting Immigrant Parents (pdf) - ist ein Projekt, in dem junge Zuwanderereltern, insbesondere die Mütter, eine Hilfestellung und Beratung bei der Erziehung und Förderung ihrer 2–5 jährigen Kinder erhalten. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Sprachentwicklung (Muttersprache und Zweitsprache) gelegt.

Zum Weiterlesen:
Der Schwerpunkt Migration auf der Internetseite der Landesarbeitsgemeinschaften der Familienbildung in NRW mit Projektbörse und weiteren Informationen

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Sozial benachteiligte und arme Familien
Neben den Ansätzen für Familien mit Migrationshintergrund wurden Konzepte entwickelt, die die sogenannten bildungsfernen und sozial benachteiligten Familien besser erreichen. Die Ergebnisse der PISA-Studie haben erneut ins Bewusstsein gerufen, dass in Deutschland die soziale Herkunft entscheidend den schulischen Werdegang der Kinder beeinflusst. Familienbildung will mit zielgruppenspezifischen Angeboten dazu beitragen, die Kinder und ihre Familien zu stärken und deren gesellschaftliche Teilhabe zu verbessern.

Das FuN-Programm ist ein präventiv wirkendes Familienbildungsprogramm zur Förderung der Elternkompetenz. Durch das Programm wird ein gemeinsamer Lern- und Erfahrungsort für Eltern mit ihren Kindern geschaffen. Ein Programm, das Spass (=englisch: fun) macht und das Familien hilft. Als Kürzel steht FuN für Familie und Nachbarschaft. Es geht um die Stärkung des inneren Zusammenhalts der Familie sowie der Förderung eines sozialen Netzwerkes.

Die Eltern-AG in Magdeburg versteht sich als Präventionsprogramm im Bereich früher Erziehung und Bildung für bildungsferne und sozial benachteiligte Eltern mit Kindern zwischen 0 und 7 Jahren.

 

Familienbildung und Hilfen zur Erziehung

Familien, die Hilfen zur Erziehung nach § 27ff. KJHG in Anspruch nehmen, befinden sich häufig in schwierigen Lebensverhältnissen. Oft gehören sie bildungsfernen und einkommensschwachen Schichten an.
Bei den Hilfen zur Erziehung (HzE) handelt es sich nicht um präventive Maßnahmen, sondern um Interventionen. Es ist sinnvoll, diese Hilfen durch Familienbildungsangebote zu ergänzen bzw. die vom Gesetzgeber und von Jugendämtern geforderte Zusammenarbeit mit den Eltern dadurch zu erweitern. Diese Herangehensweise unterstützt auch den Paradigmenwechsel bei den Jugendämtern: den Blick auf die Ressourcen und Kompetenzen der Familien zu richten und nicht ausschließlich auf vermeintliche oder tatsächliche Defizite (Stichwort Ressourcenorientierung). Eine stärkere Ausrichtung der Jugendämter auf Begleitung und Unterstützung von Familien durch Prävention kann zudem einen Beitrag zur Reduzierung der kostenintensiveren Intervention leisten.

Die AWO-Elternwerkstatt (doc) ist ein Kursprogramm, das sich insbesondere an Eltern richtet, die HzE erhalten. Es ist mittlerweile für andere Zielgruppen erweitert worden.

Das Video-Home-Training® wurde in den Niederlanden entwickelt und ist ein Konzept zur Intervention in Familien mit Erziehungsschwierigkeiten. In Deutschland wird es teilweise im Bereich der Sozialpädagogischen Familienhilfe eingesetzt.
Mit Hilfe von Videoaufzeichnungen werden Interaktion und Kommunikation in der Familie analysiert und gelungene Beispiele hervorgehoben. Das Video-Home-Training® vertritt einen explizit positiven Denkansatz: Eltern werden in ihrer Erziehungskompetenz und in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt und ermutigt, eigene konstruktive Lösungswege zu entwickeln.
Ebenfalls mit Videointeraktionsanalyse arbeitet die Marte Meo-Methode.

Bei den bisher dargestellten Beispielen steht die Stärkung der Erziehungskompetenzen im Vordergrund. Andere Ansätze unterstützen Familien darin, ihre hauswirtschaftlichen Alltagskompetenzen zu verbessern. Diese Konzepte sind insbesondere für Familien, die in Armut leben, eine sinnvolle Erweiterung.

Neue Perspektiven der haushaltsbezogenen Bildung:
Niederschwellige Angebote für Familien in Einrichtungen der Familienbildung

Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft:
Finanzkompetent im Alltag (pdf)

HOT Haushalts Organisations Training stellt den Aspekt der Versorgung und Haushaltsführung in den Vordergrund und vermittelt grundlegende hauswirtschaftliche und Alltagskompetenzen. Mit seinem Schwerpunkt auf dem Versorgungsaspekt ergänzt HOT die bestehenden Angebote der Familienhilfen, die sich auf Beziehungs- und Erziehungsaspekte beziehen.

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Frühe Hilfen für Familien
Mit dem Bundesprogramm Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme soll der Verwahrlosung und Misshandlung von Kindern wirksam vorgebeugt werden. Ziel ist es, Risiken für Kinder möglichst frühzeitig zu erkennen und die Erziehungskompetenz ihrer Eltern zu verbessern. Im Fokus des Programms stehen vor allem Kinder bis zu etwa drei Jahren, sowie Schwangere und junge Mütter und Väter in belastenden Lebenslagen.

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen zielt auf eine wissensbasierte Verbesserung der Praxis im Feld Früher Hilfen und den Aufbau einer Präventionskette von der allgemeinen und frühzeitigen Information und Aufklärung über die Kindesentwicklung bei werdenden Eltern, über die Motivation zur Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen und die aktive Verweisung an spezielle Hilfen und Unterstützungen bis hin zur begleitenden Familienarbeit in schwierigen sozialen Lagen. Im Mittelpunkt stehen Familien mit Kindern vom vorgeburtlichen Alter bis zum Alter von ca. drei Jahren stehen, deren Lebenssituationen durch hohe Belastungen und vielfältige und/oder schwerwiegende Risiken (zum Beispiel Armut, Gewalt oder Suchterkrankung im Elternhaus) gekennzeichnet sind.

In verschiedenen Regionen Deutschlands existieren bereits Projekte und Modelle zur Unterstützung der Entwicklung von Kindern und zu einem besseren Schutz in der frühen Kindheit. Um an deren Erfahrungen anzuknüpfen, werden derzeit einige gemeinsam mit den Ländern ausgewählte Projekte im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durch das Deutsche Jugendinstitut in einer Kurzevaluation hinsichtlich ihrer Stärken und Schwächen und offener Fragen untersucht. Auf Grundlage dieser Ergebnisse sollen weitere Maßnahmen zur Schließung von Wissenslücken und Modellprojekte zur Erprobung Erfolg versprechender Ansätze ausgeschrieben werden. Der Bund wird sich bei der Förderung auf die wissenschaftliche Begleitung konzentrieren.
Erste Modellvorhaben sind 2006 gestartet:

Guter Start ins Kinderleben ist ein länderübergreifendes Modellprojekt (Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Thüringen) zur frühen Förderung elterlicher Erziehungs- und Beziehungskompetenzen in prekären Lebenslagen und Risikosituationen insbesondere zur Prävention von Vernachlässigung und Kindeswohlgefährdung im frühen Lebensalter.

Das Projekt Pro Kind in Niedersachsen unterstützt erstgebärende Schwangere in schwierigen sozialen Lebenslagen. Teams, die aus einer Hebamme und einer Familienhelferin bestehen, begleiten die werdende Mutter mit Hausbesuchen bis zum zweiten Geburtstag des Kindes.

Der Arbeitsschwerpunkt der Familienhebammen liegt auf der psychosozialen, medizinischen Beratung und Betreuung von Risikogruppen durch aufsuchende Tätigkeit und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Berufsgruppen. Diese Hebammen und verfügen über eine Zusatzqualifikation, deren Schwerpunkt auf der psychosozialen und medizinischen Beratung und Begleitung von Risikoschwangeren und Familien mit Förderbedarf im ersten Lebensjahr des Kindes liegt. Sie wurden erstmals 1980 in Bremen eingesetzt. Mittlerweile arbeiten Familienhebammen auch in anderen Bundesländern.
Modellprojekt Familienhebammen
Stiftung: Eine Chance für Kinder

Das Projekt FrühStart in Sachsen-Anhalt untersucht die Leistungen und Wirksamkeit der Familienhebammen und deren Einbettung in vorhandene Versorgungsstrukturen: die Zugänge, Schnittstellen und Überleitungen von und zu weiteren Akteuren des regionalen Gesundheits- und Sozialbereichs.

Das Präventionsprojekt Keiner fällt durchs Netz in Hessen richtet sich an besonders belastete werdende Eltern sowie an Eltern von Neugeborenen. Sie werden entweder einer Elternschule und/oder einer Begleitung durch eine Familienhebamme zugeführt.

Das Modellprojekt Soziale Frühwarnsysteme in Nordhrein-Westfalen hatte in seiner Entwicklungs- und Erprobungsphase (2001 - 2004) sechs Projektstandorte in NRW. Es hat gezeigt, dass strukturierte, verlässliche und berechenbare Kooperationen von Fachkräften bei öffentlichen und freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitssystems und von anderen familienbezogenen Dienstleistern einen wirksamen und sinnvollen Beitrag dazu leisten, riskante Lebenssituationen bei Kindern und Familien und in einem Sozialraum frühzeitiger wahrzunehmen, zu beurteilen und entsprechend zu handeln.

Das Projekt Wie Elternschaft gelingt bindet Akteur/innen aus den Bereichen Jugendhilfe und Gesundheitswesen in einen Qualitätsentwicklungsprozess ein. Es will (werdende) Mütter bzw. Paare im Übergang zur Elternschaft, deren Lebensbedingungen durch eine Kumulation verschiedener Risikofaktoren gekennzeichnet sind, erreichen und effektiv begleiten. Es baut auf den erworbenen Praxiserfahrungen des anwendungsorientierten Forschungsprojektes Eine Langzeitstudie zu Effektivität und Indikation von bindungsorientierter Frühintervention in psychosozial belasteten Familien auf.

STEEP - Steps toward effective and enjoyable parenting - ist ein Programm, das sich an Risikofamilien mit Säuglingen richtet. Es wurde im Jahr 1986 von Byron Egeland und Martha Erickson in den USA entwickelt und evaluiert. STEEP ist ein komplexes Frühinterventionsprogramm, das auf mehreren Ebenen ansetzt, die Eltern-Kind-Beziehung zum Fokus hat und auf der von John Bowlby entwickelten Bindungstheorie basiert.

Zum Weiterlesen:
Taz 19.11.2001 Der Schutzschild aus der Babyzeit
Die Zeit 2/2003

Den Präventionspreis 2006 hat das Familienprojekt Adebar in Hamburg erhalten. In diesem Projekt werden vier Ansätze einer sozialraumorientierten Familienförderung verknüpft. Neben der Hebammenhilfe gibt es eine familiäre Krisenhilfe für akute Notsituationen, ein Familiencafé für Austausch und Begegnung und Engagement für eine kindgerechte Stadtteilentwicklung.

Das Präventionsprojekt im Landreis Oderspreewald-Lausitz Entwicklung von Kindern in Beziehung (EKiB) im Netzwerk Gesunde Kinder wird vom Land Brandenburg gefördert. Anders als in den vorangegangenen Beispielen liegt diesem Projekt kein Risikokonzept zugrunde, sondern es werden alle Familien einbezogen, deren Kinder ab 15. Mai 2006 im Klinikum Niederlausitz geboren werden und deren Wohnsitz im Landkreis liegt. Bei diesem Vorgehen entfällt die Hemmschwelle "Hilfe annehmen zu müssen, weil man ein Problem hat", denn es können alle jungen Familien - freiwillig - mitmachen. So können nicht nur Familien erreicht werden, in denen Probleme bereits sichtbar sind, sondern vor allem diejenigen, die es mit viel Mühe und Kraft gerade noch so schaffen, aber nicht als hilfebedürftig aufgefallen wären. Der Eintritt in dieses Projekt erfolgt über die Schwangerenvorsorge. Jede Familie bekommt eine/n ehrenamtliche/n Paten/Patin an die Seite, der/die 10 Besuche in den ersten drei Lebensjahren bei "seiner/ihrer" Familie macht, mit helfendem, aber ohne therapeutischen Anspruch. Als ein großes Plus dieses Projektes wurden neben der Niedrigschwelligkeit die weitgehende Nutzung vorhandener Ressourcen und Strukturen sowie die enge Zusammenarbeit aller Partner/innen genannt. Partner/in sind das Jugendamt, die regionale Kinderklinik /Kinderärzt/innen /Öffentlicher Gesundheitsdienst, Einrichtungen der Inobhutnahme, freie Träger der Jugendhilfe, Polizei, Familiengericht und Frauenhaus.

wellcome bietet praktische Hilfe nach der Geburt, beugt Krisen vor und fördert die positive emotionale Bindung zum Neugeborenen. Die von wellcome vermittelte und begleitete ehrenamtliche Mitarbeiterin kommt ins Haus und gibt während der ersten Wochen und Monate praktische individuelle Unterstützung.

Zum Weiterlesen:
Kurzevaluation von Programmen zu Frühen Hilfen für Eltern und Kinder und sozialen Frühwarnsystemen in den Bundesländern (pdf), DJI
Positionspapier Kindesmisshandlung und -vernachlässigung der Bundespsychotherapeutenkammer (pdf)

Weiterführender Link:
Gesellschaft zur Förderung der seelischen Gesundheit in der frühen Kindheit

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